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Propriozeption beim Geigenspiel — 10 Kommentare

  1. Liebe Frau Holzer- Rhomberg!

    Vielen Dank für diesen äußerst interessanten Input!
    Ja, das stimmt, es gibt auch in meinem Unterricht Kinder, die legen den Bogen an, als ob sie im letzten Leben Geiger waren und das noch können. Andere üben sehr dafür, um ein Gefühl zu bekommen.
    Meine Erfahrung ist die, dass Bewegungsabläufe, die ihnen verständlich aus dem Alltag sind mit Bildern gut übertragen werden: z. B. BogenSTRASSE und dazu das Auto (meine Bogenhand) einparken lassen, bremsen, wenn ich zur Garage(Frosch) mit halber Note komme etc.
    Allerdings klappt das nicht immer.
    Dann versuche ich Tandem mit dem Kind zu fahren: es hält die Hand an der Bogenstange mit „ Barockbogengriffhaltung“ und ich halte am Frosch ( normaler Bogengriff) und das Kind schließt die Augen. Merkt sich so die Bewegungsform und dann wird die Übung mit Augen auf wiederholt. Danach macht es selbstständig den Weg mit offenen und mit geschlossenen Augen. Dabei wird von beiden (Lehrer/ Schüler) der Klang geprüft. Solange, bis das Kind glücklich lächelt…weil es verstanden hat, dass die Bewegungsänderung Klangänderung bewirkt.
    Manchmal lasse ich auch Extreme spielen, Stegnähe/auf dem Griffbrett… und so kann es den schönen Klang bewusst wählen, weil es auf der Bogenbahn bleibt.
    Im Onlineunterricht geht das erstaunlich gut über Kontaktstellenprüfung via Minidisplay im Bildschirm.

    Herzliche Grüße aus dem frühlingsbunten Weimar

    Dorothea Friederike Gruppe

    • Liebe Frau Gruppe,
      vielen Dank für Ihren schönen Erfahrungsbericht! Ja, es ist immer wieder schön, wenn plötzlich etwas Wesentliches verstanden worden ist! Das motiviert die Kinder ungemein! Eine Frage habe ich jetzt aber: Wie geht das mit der Kontaktstellenüberprüfung via Minidisplay im Bildschirm? Wie muss ich mir das vorstellen? Gibt es da eine zweite Kamera, die auf die Geige gerichtet ist? Könnten Sie das eventuell genauer beschreiben?
      Liebe Grüße,
      Andrea Holzer-Rhomberg

  2. Liebe Frau Holzer-Rhomberg!
    Vielen Dank für die vielen hilfreichen Tipps!
    Auch nach meiner Erfahrung lernen und spielen Kinder viel besser, wenn sie nicht andauernd in die Noten schauen. Auch meine wichtigsten Begriffe sind „hören“ und „fühlen“. Deswegen lasse ich häufig mit geschlossenen Augen spielen. Vorige Woche habe ich zum Thema „obere Hälfte-Striche“ mit Kindern folgende Übung erfolgreich probiert: Zuerst ohne Bogen einen unsichtbaren Kaugummi aus dem Mund ziehen, und das in vier Ebenen. Anschließend mit dieser Vorstellung streichen. Es hat gut funktioniert. Kann ich empfehlen. Aber wie immer muss man individuell vorgehen.
    Mit lieben Grüßen aus Wien,
    Andrea Frankenstein

  3. Liebe Kollegen*Innen,

    ich stimme zu und praktiziere es selbst, Kindern und auch Erwachsenen bei Schwierigkeiten jedwelcher Art (oder auch einfach so) möglichst Bilder als Hilfestellung mit auf den Weg zu geben, bzw. unterstütze natürlich auch selbst bei Bewegungsabläufen. Ein Bild, welches regelmäßig gut ankommt, ist das des Reiters und des jungen Pferdes. Wenn der Reiter (die Hand) das junge Pferd (den Bogen) nicht führt, wird es übermütig und springt in die Botanik. Wie es in der Botanik klingt und wo man da landet, gibt Anlass zu verschiedensten Experimenten.

    Allerdings bin ich auch dankbar für die Lehrkräfte, die technische Hilfen wie den „Bogenkorrektor“ erfinden. Die zu unterrichtenden Schüler*innen sind nunmal sehr individuell, und jeder hat es verdient, bestmöglich unterstützt und bei den eigene Voraussetzungen abgeholt zu werden. Sofern preislich erschwinglich, besorge ich mir alle Hilfsmittel und setze sie z.B. ein, wenn Imagination oder körperliche Unterstützung nicht ausreichen. Bogenkorrektoren können auch gute Dienste leisten, wenn durch die heutige Fülle des Lebens Schüler*innen Unterrichtsinhalte zuhause nicht mehr erinnern können. Der Phantasie der Lehrkraft ist es dann natürlich auch überlassen, diesen Hilfsmitteln einen anderen, möglichst für den individuellen Schüler passenden und interessanten Namen zu geben. So wie man es auch häufig mit Musikstücken macht, wenn diese zwar gut klingen, aber der Name z.b. altbacken/kindisch ist oder man schon die Erfahrung gemacht hat, dass ein bestimmtes Stück wegen des Namens leider nicht gern geübt wurde.

    Die Entwicklung von pädagogischen Hilfsmaterialien steckt in Deutschland leider noch in den Kinderschuhen, in den USA werden solche Materialien schon seit Jahrzehnten erfolgreich entwickelt und eingesetzt. Zum Glück ziehen wenigstens deutsche Shops unterdessen nach und bieten dieses Material an. In einem Fall vor ein paar Jahren, weil ich darum gebeten habe, denn eine Einzelbestellung war/ist für eine einzelne Lehrerkraft mit Zoll nicht rentabel.

    Ich wünsche allen weiterhin viel Erfolg und stabile Nerven für die Zeit des Onlineunterrichts.
    Herzlichen Gruß
    A. Lattke

    • Vielen Dank für Ihren Beitrag! Ein schönes Bild vom jungen Pferd und dem Reiter!
      Und ja, alles, was beim Lernen in irgendeiner Weise helfen kann, hat seine Berechtigung, das sehe ich auch so. Ich würde dem „Bogenkorrektor“ aber tatsächlich einen netteren Namen geben! „Streich-Helferlein“ vielleicht oder so etwas in der Art … klingt irgendwie freundlicher!
      Liebe Grüße,
      Andrea Holzer-Rhomberg

  4. Guten Abend,
    viele gute Ideen, ich füge von mir ein paar hinzu hinzu.

    Ich fange immer (nach einigen Vorübungen ohne Bogen) mit ruhigen ganzen Bogenstrichen an. Zunächst auf den mittleren Saiten. Meine Anweisung dabei: „Öffne den Arm schräg nach vorne“. Die kleinen Schüler*innen können sich als visuelle Hilfe ihr Lieblings-Kuscheltier an den entsprechenden Platz auf den Boden setzen, zu dem sie dann hin spielen. Auf dem Rückweg (Aufstrich) heben wir zum Frosch hin das Handgelenk hoch, womit der Strich gerade bleibt und der Ton schön, weil wir Gewicht aus dem Bogen nehmen. Bei der G-Saite steuern wir schräg nach oben hoch in die Luft, bei der E-Saite Richtung linke Hacke (meine Schüler*innen stehen mit dem linken Fuss einen Schritt nach vorne).

    Wenn der Bogen zur Spitze hin weg eiert, können wir in der o.H. das Öffnen und Schließen des Ellbogens üben. Da hilft dann auch mal der Blick auf die Spitze. Bisweilen lasse ich sie (die älteren) auch vorm Spiegel spielen, was ja zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Und die meisten haben zu Hause oft keinen passenden Spiegel oder es ist dort zu eng (Bad, Garderobe).

    Viele Grüße aus Hamburg
    Irmgard Fliegner

  5. Sehr geehrte Frau Holzer-Rhomberg,
    ich lese mit Freude, Gewinn und Dankbarkeit Ihren Blog und der „Fiedelmax“ ist für mich die am meisten verwendete Violinschule geworden.
    Die CDs bereiten mir leider manchmal Schwierigkeiten:
    Zum einen empfinde ich viele Einspielungen als zu schnell. Den Kindern bereitet es oft Schwierigkeiten, in ihrer Vorstellung das Tempo zu verlangsamen. Sie sind auch gefrustet, wenn sie das Tempo nicht erreichen. Dazu haben Sie sich vor ein paar Jahren ausführlich geäußert.
    Das andere ist die Stimmung der CDs: Die alte Ausgabe mit 442Hz habe ich als sehr angenehm empfunden. Die neue Ausgabe mit 445Hz ist für meinen Geschmack zu hoch. Ich muss oft umstimmen und habe Umstellungs- und Intonationsprobleme. Das Singen wird anstrengender. Was hat Sie bewogen, eine so hohe Stimmung zu wählen? Werden alle Konzertflügel mittlerweile so hoch gestimmt?
    Hier noch eins meiner Bilder zur Bogentechnik: ich nehme gerne den Vergleich mit der Hundeerziehung. Wie wichtig es ist,dass ein Hund „bei Fuss“ gehen kann und „folgt“. Der Bogen wird gut und liebevoll „erzogen“. Es macht mir großen Spaß zur besseren Veranschaulichung einen ungezogenen Hund zu spielen.
    Herzliche Grüße aus Memmingen
    Christiane Eberhard

    • Liebe Frau Eberhard,

      vielen Dank für Ihren Kommentar! Ich bin jetzt allerdings etwas erstaunt über Ihre Aussage, die neuen Aufnahmen seinen auf 445 Hz eingespielt! Der Klavierstimmer hatte den Flügel vor den Aufnahmen exakt auf 442 Hz gestimmt und zwischendurch immer wieder nachgestimmt. Das war in der Tat ein sehr aufwendiges Unterfangen! Nach dem Lesen Ihres Kommentars habe ich nun sofort eine CD auf die Stimmung „getestet“. Die Aufnahme liegt genau bei 442 Hz. Kann es eventuell sein, dass Ihr Abspielgerät etwas zu schnell läuft und dadurch auch der Ton etwas höher wird?

      Was das Tempo zum Mitspielen anbelangt: Mir ist durchaus bewusst, dass das Originaltempo für manche Kinder zu schnell zum Mitspielen ist, deswegen gibt es ja auch eine Klavierbegleitung „im Schneckentempo“ dazu. Bei CD-Aufnahmen hat man aber leider nicht unbegrenzt Platz, um mehrere Tempo-Varianten unterzubringen, dass liegt in der Natur der Sache. Mittlerweile ist es aber so, dass die meisten Leute gar keine CD-Player mehr besitzen, dass sozusagen die CD ein „aussterbendes“ Medium ist. Deshalb hat der Verlag auch beschlossen, bei den Nachdrucken keine CDs mehr beizulegen, sondern die Play-alongs zum Download zur Verfügung zu stellen. Das macht tatsächlich mehr Sinn, und man hat die Möglichkeit, die Tracks mit einer der mittlerweile zahlreichen Speed-Shifting-Apps ganz genau auf das Tempo des jeweiligen Schülers anzupassen. Das ist wirklich ein großer Vorteil. Ich arbeite bevorzugt mit der App Anytune, es gibt aber auch den Speedshifter von ABRSM und andere. Das kann ich nur empfehlen, das sind wirklich sehr nützliche Tools!
      Liebe Grüße nach Memmingen,
      Andrea Holzer-Rhomberg

      • Danke für die nützliche Antwort. Bei allen CD-Spielern, mit denen ich zu tun habe, klingt die neue Auflage zu hoch und auch beim FM6 auf dem euen Tablett sinds 445Hz. Technik ist manchmal was merkwürdiges. Also werd ich auf so eine App zurückgreifen.
        Gute Nacht wünscht
        Chr. Eberhard

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