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Fähigkeiten entwickeln versus „Fehler“ ausbessern — 1 Kommentar

  1. Guten Abend,
    ich möchte das oben Gesagte durch meine Erfahrungen ergänzen.
    Oft mache ich mir zunächst Gedanken, welches Stück meine Schüler mögen könnten (unter der Prämisse, dass neue Schritte gelernt bzw. angewendet werden sollen). Manchmal spiele ich ihnen z.B. drei Stücke vor und frage: „Welches möchtest du als erstes lernen?“ Oder ICH lege fest, welches das nächste Stück ist. Auf jeden Fall lasse ich meine Schüler nie alleine ausprobieren, sondern spiele es zu Beginn mit ihnen zusammen – langsam -, weil die Kinder meistens zu schnell loslegen. Vorher klären wir die Tonart bzw. worauf sie achten müssen bezüglich hoher oder tiefer Finger und bei Dreiertakten den Grundrhythmus mit seinen Schwerpunkten. Danach besprechen wir, wo überall neu zu Lernendes aufgetreten ist und machen daraus kleine Übungen. Irgendwie erlebe ich mit meinen Schülern die oben genannten Frustrationen fast nie, weil ich ihnen von Anfang an immer wieder erfahrbar mache, dass „ich kann nicht“ nur bedeutet „ich kann noch nicht“ und ich, deine Lehrerin, sorge dafür, dass du es lernst. Und wenn in einer Stunde etwas überhaupt nicht klappen will, sage ich, dass ich darüber nachdenken werde, dass ich nach neuen Ideen suchen werde, damit es nächstes mal klappt. Ich möchte damit meinen Schülern vermitteln, dass ICH die Verantwortung übernehme und nicht SIE zu doof sind zum Geigen. Das ist mir sehr, sehr wichtig. Wenn meine Schüler in die Stunde kommen, höre ich z.B. Folgendes: „Das klang irgendwie komisch“, „mit der Stelle bin ich nicht zurecht gekommen“, „ich hab da mal ne Frage“, „ich habe diese Woche keine Zeit zum Üben gehabt, weil…“ usw. Wenn ein Kind wirklich mal entmutigt ist, sage ich: „Ich kann dir versprechen, dass du es am Ende dieser Stunde viel besser kannst.“ Das klappt immer. Manchmal hilft auch der Satz: „Jetzt spiel es nochmal und tue einfach so, als wenn du die schwierige Stelle schon kannst.“

    Wenn Kinder, die schon etwas länger Geigen, immer eine schwierige Stelle vermeiden, bin ich sehr konsequent und sage: „Keiner hat gesagt, dass Geigen einfach ist. Du musst diese Stelle wirklich üben, da musst du durch – mit oder ohne Lust. Hilft nix. Da lass ich nicht mit mir verhandeln. Und ich gebe dir noch ein paar Tipps wie du diese Stelle auf verschiedene Weisen üben kannst“

    Also, meine Überzeugung ist: Wenn die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern stimmt, sind Mutlosigkeit und Frustration kein großes Thema und lassen sich sehr schnell auflösen. Wenn die „Chemie“ allerdings überhaupt nicht stimmt und ich als Lehrerin das Gefühl habe, permanent gegen Widerstände zu arbeiten, muss ich klären, ob es der Wunsch des Kindes ist oder der Wunsch der Eltern, dass das Kind Geige lernt. Wenn das Kind Geige lernen möchte, aber nicht mit MIR, sollte ich nicht beleidigt sein, sondern es an eine andere Kollegin abgeben.

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