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Vorspielabend „Nullachtfuffzehn“? — 9 Kommentare

  1. Liebe Frau Holzer-Rhomberg,
    erst einmal möchte ich Ihnen zurückmelden, dass ich sehr angetan bin davon, dass Sie immer wieder neue Themen finden.

    Mit Vorspielen ist es ja so, dass die Bedingungen sehr verschieden sind. Einige Lehrer haben über 40 Schüler, einige unterrichten an verschiedenen Orten usw.

    Meine Erfahrungen durch 2 musizierende eigene Kinder und meine Lehrtätigkeit haben mich zu folgendem gebracht: Viel länger als eine Stunde sollte ein Vorspiel nicht dauern – kleine Geschwisterkinder werden unruhig, die Vorführenden müssen länger warten als einigen von ihnen guttut. Ich selbst habe auch bei mir als Zuhörerin gemerkt, dass ich nach eineinhalb Stunden zappelig werde – selbst wenn alle wunderbar spielen.

    Ein Lehrer einer meiner Töchter, der sehr viele Schüler hatte, hat ein 3-Schicht-System eingeführt. Zwischen den Schichten war immer genug Raum für einen kleinen Imbiss, ein Getränk und Plaudern. Das war sehr angenehm. Ich selbst habe aus verschiedenen Gründen privat immer so zwischen 12 und 13 Schülern. Meine Vorspiele sind nicht abends sondern samstags oder sonntags gegen 11 Uhr. Die Schüler und auch die Eltern kennen sich über die Jahre und freuen sich über die Fortschritte aller Kinder. Alle, die Lust haben, bringen eine Kleinigkeit fürs Büffet mit, sodass wir nach dem Vorspiel noch ein bisschen zusammen sein können.

    Zur Reihenfolge des Vorspiels: Ganz kleine neue Schüler dürfen zuerst spielen. Ich habe es aber auch schon so gehandhabt, dass ich durch die Woche gegangen bin: das erste Montags-Kind fängt an, das letzte Freitags-Kind hört auf. Dabei berücksichtige ich allerdings kleine Änderungen, wenn ein „Bravour-Stück“ dabei ist, das einfach am Ende stehen sollte. Zum Schluss spielen wir alle ein gemeinsames Stück. Letztes Mal hatten wir ein irisches Fiddle-Stück, von dem alle Zuhörer so begeistert waren, dass wir es noch einmal spielen durften. Gut finde ich Ihre Idee, das Vorspiel auch mit einem gemeinsamen Stück zu beginnen.

    Noch etwas, was ich sehr wichtig finde. Ich habe bei fremden Vorspielen ab und zu erlebt, dass Kinder zu schwere Stücke gespielt haben, völlig unglücklich auftraten und völlig verkrampft waren. Die Musik klang entsprechend und alle haben mitgelitten. So sollte es nicht sein! Ich finde, wir Lehrer sollten Stücke auswählen, die auch bei Aufregung noch „automatisch“ weiter laufen. Damit bin ich ziemlich gut gefahren. Natürlich gibt es immer mal kleinere „Unfälle“, die aber dem Fluss der Musik keinen Abbruch tun. Das Vorspielen finde ich auch wichtig für Schüler, die überhaupt nicht vorspielen wollen, die mit mir verhandeln, dass SIE ganz bestimmt nicht vorspielen. Ich sage ihnen, dass ich das sehr gut verstehe, weil ich es selbst aus meiner Biographie sehr gut kenne, dass sie aber dennoch mit dabei sein werden und ich darüber mit mir auch nicht verhandeln lasse. Ich sage ihnen, dass ich ihre Panik berücksichtigen werde bei der Auswahl des Stücks.
    Ich finde die Erfahrung eines Vorspiels für die Kinder sehr, sehr wichtig, denn sie werden in ihrem späteren Leben oft Präsentationen machen müssen. So lernen sie bei den Geigenvorspielen, dass sie es „überleben“. Und die Ergebnisse waren bisher immer gut anzuhören, sodass sie dann auch noch ein Lob kriegen, wenn sie es selbst kaum mitgekriegt haben, wie sie gespielt haben.

    Jetzt habe ich länger geschrieben als ich eigentlich wollte. Aber das Thema liegt mir einfach sehr am Herzen – dass wir in Vorbereitung eines Vorspiels die Kinder – oder auch erwachsenen Schüler – ermutigen, herausfordern, an ihre Grenzen führen, um diese zu überschreiten, und immer ganz nah bei ihnen bleiben.

    Herzliche Grüße
    Irmgard Fliegner

    • Liebe Frau Fliegner,
      vielen Dank für Ihren so ausführlichen Kommentar! Aus Ihren Zeilen lese ich heraus, dass Sie ganz viel Erfahrung haben und sich sehr viele Gedanken machen zum Wohle Ihrer Schüler! Das berührt mich sehr!
      Ja, ein Vorspiel sollte nicht zu lange dauern, ich veranstalte auch lieber mehrere Vorspiele zu je 45-60 Minuten, als ein einziges langes Konzert. Das hat sich sehr bewährt. Ihre Idee mit dem Auftritt der Schüler nach dem Wochenstundenplan finde ich sehr reizvoll! Da können die Eltern nachempfinden, wie vielfältig so ein Unterrichtstag abläuft! Und – wie Sie richtig sagen – es soll nicht jenes Stück vorgespielt werden, bei dem ein Schüler im Moment an seine Grenzen stößt. Lieber ein Musikstück, das der Schüler technisch sehr gut beherrscht, sodass er sich voll auf den musikalischen Ausdruck konzentrieren kann! Vielen Dank für Ihren wertvollen Beitrag!
      Herzliche Grüße,
      Andrea Holzer-Rhomberg

  2. Liebe Andrea,

    ganz herzlichen Dank für die interessanten Anregungen – ich freue mich schon sehr darauf, die eine oder andere Idee in meinen nächsten Vorspielen auszuprobieren!
    Hier noch ein kleiner Tipp, wie man verhindern kann, dass sich die Stuhlreihen im Laufe des Konzerts nach und nach leeren:
    Vor vielen Jahren haben wir eingeführt, dass am Ende eines Vorspiels ein oder mehrere Gewinne verlost werden.
    Damals hat das vorzeitige Verlassen der Vorspiele schlagartig aufgehört.
    Inzwischen ist es zur Tradition geworden, bis zum Ende da zu bleiben, auch ohne Gewinne. Aber eine kleine ‚Belohnung‘ gibt es natürlich auf jeden Fall für alle Spieler und ihre zuhörenden Geschwister.
    Vielen Dank für deine anregenden Gedanken jeden Sonntag-Abend und ganz herzliche Grüße
    Simone

    • Liebe Simone,
      vielen Dank für Dein schönes Feedback! Die Idee mit dem Gewinnspiel finde ich wunderbar! Durch eine gezielte Aufgabenstellung des Gewinnspiels kann man sogar noch die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf bestimmte Aspekte lenken und verstärken! Diese Idee werde ich auf jeden Fall in mein „Repertoire“ übernehmen! Danke!

  3. Liebe Frau Holzer-Rhomberg,
    Ihr Thema Vorspiel hat mich sehr gefreut. Vor einige Jahren kam ich nach einem 08-15 Vorspiel sehr unzufrieden nach Hause, obwohl ist gut gelaufen war. Zum Glück gab es kurz darauf eine Fortbildung zu dieses Thema. Viele von dieser Ideen habe ich verwirklicht und in Ihrem Beitrag und die Kommentare wieder erkannt. Sogar ein Gewinnspiel habe ich ins Vorspiel eingebaut, um das Publikum zum dableiben zu kriegen. Die Fragen haben etwas mit der Musik/Programm zu tun und die Preise sind oft Konzertkarten oder CDs. Hierzu ein Tipp: eine kurze Pause machen sodass viele sich daran beteiligen können. Sicher, das alles braucht viel Planung und ist am Schluss doch viel Arbeit. Aber es lohnt sich! Man ist selber künstlerisch gefördert und es bereichert den Arbeitsalltag. Die Schüler merken dass es um etwas Wichtiges geht und werden entsprechend motiviert! Ich habe schon viele Komplimente von Eltern und Großeltern bekommen. Viel Erfolg! Ihre Catherine Pietsch

  4. Liebe Frau Holzer-Rhomberg,
    ersteinmal möchte ich Ihnen sagen, daß ich sehr froh bin, ihre Seite entdeckt zu haben.
    Ich habe sehr gute Erfahrung mit Themen-Abenden . Zum Glück hatte ich wunderbare Kollegen aus anderen Fachgebieten, die auch mitmachten. Die bisherigen Themen waren: “ Ein musikalischer Spaziergang durch die Balkan-Länder“, „Ein musikalischer Spaziergang durch Skandinavien“, “ Ein musikalischer Spaziergang durch Griechenland“ und „Ein musikalischer Abend durch „Lateinamerika“ .Die Schüler spielten unterschiedlichste Weisen vor .Das Kammerorchester wurde auch mit einbezogen. Zwischendurch erzählte ich Unterhaltsames aus diesen Ländern.(z.b. Bräuche, Essen usw.) Wichtig für mich war es, daß den Schülern und Eltern musikalisch „die Ohren geöffnet“ wurden. (Gerade bei der Vorbereitung des „Balkan-Abends“ hatte ich vorher Gegenwehr verspürt, hinterher sah ich aber begeisterte Blicke)) Ein Themenabend ganz anderer Art hieß „Unterhaltsames über und von Joseph Haydn“ Auch dort berichtete ich Unterhaltsames über Haydn und ließ die Schüler aufstehen, die sich in dem entsprechenden Alter befanden. Für das Kammerorchester wählte ich für diesen Abend Kanons. Natürlich erfolgte am Ende des Schuljahres dann das übliche Klassenvorspiel.

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