So schnell kann es gehen …
Eben noch – in meinem letzten Blogartikel – schrieb ich davon, wie froh ich bin, dass wir in der Musikschule unsere Schüler – mit etwas „räumlichem“ Abstand zwar – aber trotzdem von Angesicht zu Angesicht unterrichten dürfen. Kurz war das Vergnügen! Nun ist er da, der zweite Lockdown! Wieder Digital Learning! Wir müssen uns also wieder dran gewöhnen, die Kinder nur über den Bildschirm zu sehen. Aber immerhin – lieber Online-Unterricht als gar kein Unterricht.
Aus der Vergangenheit lernen
Im Frühjahr hat es uns ja sozusagen „eiskalt“ erwischt. Sind wir mal ehrlich: Wer von uns hatte vor dem Lockdown im Frühjahr schon einmal daran gedacht, ein Streichinstrument ONLINE zu unterrichten? Wahrscheinlich die wenigsten von uns. Mittlerweile kennt jeder von uns eine ganze Reihe an Videokonferenz-Tools, die mal schlechter, mal besser funktionieren. Was haben wir aus dem ersten Lockdown alles gelernt, was unsere Arbeit in den nächsten Wochen unterstützen könnte?
Gute Internetverbindung
Die beste Audio- und Video-Qualität erreicht man meist, wenn man von einem Computer oder Laptop aus arbeitet, der über einen Kabelanschluss ans Internet angeschlossen ist. WLan ist anfälliger für Störungen, vor allem wenn das Gerät in größerer Entfernung vom Router steht, und vor allem auch dann, wenn im gleichen Haushalt gleichzeitig noch andere Geräte mit WLan in Betrieb sind, wenn z.B. gerade jemand im Internet surft oder Netflix schaut …
Sprechen Sie sich am besten mit den Eltern Ihrer Schüler ab, welches Gerät mit welchem Internetzugang zu welcher Zeit für das Kind zur Verfügung steht. Die Eltern sind ja auch daran interessiert, dass der Unterricht so gut wie möglich weitergeführt werden kann.
Was beim Digital Learning gut funktioniert und was weniger gut können sie hier nachlesen.
Material-Organisation
Was mir beim ersten Lockdown sehr geholfen hat ist die Organisation der Unterrichtsmaterialien. Ich hatte mir für jeden Schüler auf dem Rechner einen eigenen Ordner angelegt, in den ich die vorbereiteten Materialien abgelegt habe sowie den Unterricht mit dem jeweiligen Kind dokumentiert habe. Das erspart unnötiges „Suchen“ und man hat mit einem Klick Zugriff darauf.
Meine Schüler verwenden größtenteils eine Schule oder ein Etüdenbuch. Diese Ausgaben habe ich auch bei mir, sodass jeder von uns die gleiche Notenausgabe vor sich liegen hat. Zusätzlich spielen wir Literatur aus verschiedenen Epochen. Dazu verwende ich gerne gemeinfreie Notenausgaben aus der Petrucci-Bibliothek, die bereits digitalisiert sind.
Das Blattspiel trainieren wir mittels Screen-Sharing, das funktioniert wunderbar, ohne dass etwas vom Schüler heruntergeladen werden muss, und ohne dass Noten hin- und hergeschickt werden müssen. Ebenso lassen sich musiktheoretische Belange sehr gut mittels Screen-Sharing vermitteln.
Begleitungen
Da es bis jetzt wegen der Verzögerungen leider nicht möglich ist, über ein Videokonferenztool gemeinsam zu musizieren (ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren!), spielen meine Schüler derzeit zu Klavierbegleitungen von CDs, die den Heften beiliegen oder zu Klavierbegleitungen in Form von mp3-Dateien, die ich ihnen über das Sibelius-Programm zu den verschiedenen Musikstücken erstellt habe. Das ist zwar nicht wie ein Zusammenspiel mit einem „lebendigen“ Spielpartner, aber eine gute Vorbereitung für ein später hoffentlich wieder mögliches Zusammenspiel!
In diesem Zusammenhang möchte ich noch die App Tomplay erwähnen, eine Musiknotensammlung mit Playbacks. Vielleicht haben Sie Lust, diese App zu testen. Zu Tomplay geht es hier.
Einwilligungserklärung der Eltern
Vergessen Sie in der ganzen Vorbereitung nicht, auch die Einwilligung der Eltern einzuholen, dass Sie die Kinder auch online unterrichten dürfen. Stimmen Sie sowohl mit Ihrer Schule als auch mit den Eltern ab, welches Tool Sie verwenden, und bitten Sie die Eltern gegebenenfalls um Hilfe bei der Einrichtung der Online-Verbindung für ihr Kind.
Stecken Sie also Ihr bestes Mikrophon an den Laptop, planen Sie die Lektionen und verschicken Sie die Links. Dann setzen Sie Ihren besten Kopfhörer auf und los geht’s!
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche, viel Geduld und Zuversicht. Auch dieser Lockdown wird vorüber gehen. Und vor allem – bleiben Sie gesund!
Herzlichst,
Ihre Andrea Holzer-Rhomberg

