Jetzt ist es doch so weit gekommen: Die Schulen werden geschlossen, und auch an den Musikschulen findet kein Unterricht mehr statt. Sicher sind diese Maßnahmen wichtig und notwendig, um die Menschen – vor allem die älteren und jene mit Vorerkrankungen – zu schützen.
Wie können wir nun als Instrumentallehrer mit dieser Situation halbwegs vernünftig umgehen? Gibt es Möglichkeiten, den Lernfluss unserer Schüler auch in Zeiten wie diesen aufrecht zu erhalten? Wie können wir unsere Schüler trotzdem beim Lernen und Üben unterstützen?
In meinem heutigen Artikel möchte ich Ihnen ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie diese ungewollt unterrichtsfreie Zeit mit Ihren Schülern sinnvoll überbrücken können.
1. Versorgung mit "frischem" Material
Die einfachste Möglichkeit der Unterstützung ist, mit den Schülern telefonisch oder per E-Mail in Kontakt zu bleiben und sie bei Bedarf mit neuen Musikstücken und sonstigen Übematerialien (in Form von pdf-Dateien) und eventuell Play-Alongs (in Form von mp3-Dateien) zu versorgen. Besonders sehr junge Schüler empfinden es schnell als langweilig, immer wieder dasselbe Musikstück zu üben. Ebenso können die Kinder mit Notenlese- und Notenschreib-Aufgaben versorgt werden, z. B. Notenmotive, bei denen – wenn man die Notennamen unter die Noten schreibt – ein Wort herauskommt.
2. Video-Aufnahmen
Eine andere Möglichkeit sind Video-Aufnahmen. Der Schüler nimmt sein Spiel auf Video auf und schickt das Video dem Lehrer. Dieser schickt ein schriftliches Feedback und weitere Übe-Empfehlungen an den Schüler zurück. Ebenso kann der Lehrer auch Instruktions-Videos an den Schüler schicken, die er vorher aufgenommen hat. Solche kurzen Video-Sequenzen lassen sich heutzutage mit nahezu jedem Mobil-Telefon problemlos aufnehmen und direkt senden.
3. Online-Unterricht
Die dritte Möglichkeit ist Online-Unterricht. In Zeiten, in denen wir alle so vernetzt sind, ist es auch möglich, eine Instrumental-Lektion über das Internet zu geben. Natürlich ist das nicht dasselbe wie ein Face-to-Face-Unterricht, das versteht sich von selbst. Gewisse Dinge wie z. B. einem Kind manuell zu helfen, den Bogen gerade zu führen, das lässt sich über das Internet nicht verwirklichen, zumindest noch nicht bis heute! Wenn man aber von diesen Dingen absieht, kann man durchaus mit den Schülern über das Internet sehr produktiv zusammenarbeiten. Was genau brauchen wir dazu:
- Lehrer wie Schüler brauchen einen Raum, in dem sie möglichst ungestört sind.
- Einen PC mit einer Kamera, ein Tablet oder ein Smartphone. Je größer der Bildschirm, desto besser.
- Eine gute Internetverbindung.
- Eine gute Beleuchtung. Je besser die Lichtverhältnisse sind, desto besser können Lehrer und Schüler einander sehen.
- Ein Lade-Möglichkeit für das Gerät, dass die Lektion nicht plötzlich „abreißt“, weil der Akku leer ist.
- Eine stabile Möglichkeit, um das Gerät möglichst neben dem Notenpult aufzustellen, eventuell ein kleines Stativ. Die Kinder sollten den Lehrer auf dem Bildschirm und ihre Noten gleichzeitig sehen können.
- Eine funktionierende Videotelefonie-Plattform wie Skype, Facetime oder Zoom.
- Kopfhörer für den Lehrer, dass der Schüler sich nicht „doppelt“ hört, einmal wenn er spielt und einmal, wenn der Schall aus dem Bildschirm mit etwas Verzögerung zurückkommt.
Was ist sonst noch vorzubereiten?
- Schüler und Lehrer sollten die gleiche Notenausgabe verwenden, die unbedingt mit Taktzahlen ausgestattet sein sollte, sodass man schnell auf bestimmte Stellen im Notentext Bezug nehmen kann.
- Eine Vereinbarung, wie man Eintragungen in den Notentext sowie Übehinweise ins Aufgabenheft und dergleichen vornimmt. Schreibt der Schüler selber auf Anweisung des Lehrers? Schreibt der Lehrer und schickt dann die Notizen per pdf? Oder schreibt (bei jüngeren Schülern) ein Elternteil mit?
- Eine Möglichkeit, das Spiel des Schülers zu unterbrechen, wenn der Lehrer einen Kommentar abgeben möchte. Das kann ein Geräusch (das das Kind keinesfalls erschrecken darf) sein, kann aber auch eine Handbewegung sein, die das Kind sehen können muss. Man kann aber auch gemeinsam vorher genau festlegen, bis zu welchem Takt nun gespielt werden soll.
Erste Erfahrungen sammeln
Nun sind wir alle gefordert, erste Erfahrungen mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu sammeln. Über meine Erfahrungen werde ich in einem der nächsten Artikel berichten, über Erfahrungsberichte von Ihrer Seite würde ich mich auch sehr freuen!
Herzlichst,
Ihre Andrea Holzer-Rhomberg
Bleiben Sie gesund und zuversichtlich!

