Nun haben wir also die erste Woche der „Sozialen Isolation“ bereits überstanden! Wahrscheinlich haben Sie genauso wie ich viele Dinge ausprobiert, um die für Sie und Ihre Schüler optimale Methode für eine Fortführung des Instrumental-Unterrichts zu finden. Ich habe meine ersten Erfahrungen mit Online-Unterricht gemacht, habe aber auch Unterrichts-Videos aufgenommen und an meine Schüler geschickt, sowie Übe-Videos von meinen Schützlingen erhalten.
Allerdings gab erst einiges zu klären und zu testen, bevor ich mich mit meinen Schülern und Schülerinnen im virtuellen Unterrichtsraum treffen konnte.
Welches Tool?
Es gibt mittlerweile so viele Tools und Apps, dass die Entscheidung gar nicht so einfach ist. Ich habe zuerst mit Skype über den Laptop gearbeitet. Das ist sehr einfach und funktioniert auch ganz gut. Man muss nicht einmal unbedingt einen Kopfhörer aufsetzen. Der Ton ist zwar nicht optimal, aber man kann doch recht gut hören und beurteilen, was gespielt wird. Allerdings sollte man darauf achten, dass Mikrophon und Lautsprecher nicht auf „Automatik“ eingestellt sind, sonst hat man eventuell Probleme – vor allem bei lauten und langen Tönen – weil der Pegel automatisch zurückreguliert wird.
Anschließend habe ich mit FaceTime über mein IPad unterrichtet. Hier war das Bild etwas besser als bei Skype (das liegt aber möglicherweise daran, dass die IPad-Kamera besser ist als die Laptopkamera), der Ton war ähnlich wie bei Skype. Auch diese Variante empfand ich als durchwegs positiv. Mein Schüler und ich konnten die einzelnen Übe-Schritte einer für ihn etwas anspruchsvollen Stelle sehr konzentriert durcharbeiten, und er weiß jetzt genau, wie er diese Stelle üben kann, sodass sie beim nächsten Mal funktioniert.
Als nächstes habe ich Signal ausprobiert, eine App die ähnlich funktioniert wie WhatsApp, aber DSGVO-konform ist. Allerdings kann man diese App wie es scheint nur auf einem Mobilgerät zur Videotelefonie nützen, also entweder auf dem Tablet oder auf dem Mobiltelefon. Den Bildschirm des Mobiltelefons finde ich persönlich zu klein für Online-Unterricht. Auf dem Tablet-Screen sieht man halt doch alles etwas genauer. Für die Chats wäre es aber trotzdem gut, wenn man die App gleichzeitig auch auf dem Mobiltelefon nutzen könnte. Chats sind über Signal übrigens auch am Desktop-Computer möglich, nicht aber Videotelefonie, das ist schade.
Als nächstes habe ich Office 365-Teams ausprobiert. Auch das funktioniert sehr gut. Hier kann man neben dem Video-Telefonat sogar im Chat Notizen austauschen. Mit dieser Anwendung kann man auch mit mehreren Personen gleichzeitig telefonieren, also eine Video-Konferenz abhalten. Ebenso kann man direkt in der Anwendung Dateien hochladen für die Schüler, Pdf- oder auch Audio-Dateien. Das ist sehr praktisch. Die Installation war allerdings etwas umständlich.
Dann gibt es schließlich noch Zoom. Diese App habe ich noch nicht getestet, aber von anderen Instrumental-Lehrern gehört, dass hier die Tonqualität bei der Videotelefonie am besten sei. Ich weiß allerdings nicht, wie weit man mit der kostenlosen Variante dieser App kommt. Vielleicht hat jemand schon Erfahrungen damit? Bitte unbedingt im Kommentar posten!
Was ist zu beachten?
Bei der Nutzung solcher Tools stellt sich immer die Frage, wie man damit aus datenschutzrechtlicher und urheberrechtlicher Sicht (z. B. wenn man Noten digital versendet) umgeht. Das Niederösterreichische Musikschul-Management hat auf seiner Webseite unter Digitales Lernen und Lehren ein paar Dokumente zu diesem Thema veröffentlicht, die Sie hier einsehen können:
Hier geht es zum Thema Datenschutz,
hier geht es zum Thema Urheberrecht
und hier finden Sie eine Mustereinwilligung zum Digitalen Unterricht.
Fazit
Online-Unterricht ist sicher nicht dasselbe wie ein „Live-Unterricht“, aber eine gute Alternative in Zeiten wie diesen. Manche Tools bieten sogar die Möglichkeit, die Online-Lektion aufzunehmen und anschließend dem Schüler zu schicken. Das ist sicher eine große Hilfe beim Üben.
Aufgrund der nicht ganz optimalen Klangqualität ist es für die fortgeschrittenen Schüler wahrscheinlich besser, sich selbst auf Video aufzunehmen und die Videos dem Lehrer zu schicken. Auf einem Video ist die Tonqualität deutlich besser. Der Lehrer gibt dann ein schriftliches oder telefonisches Feedback sowie neue Übetipps.
Es ist schon erstaunlich, was man auf einmal für neue Möglichkeiten wahrnimmt, wenn das „Altgewohnte“ plötzlich aus irgend einem Grund nicht mehr praktikabel ist! Nun freue ich mich auf viele Erfahrungsberichte von Ihrer Seite im Kommentar!
Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund,
Ihre Andrea Holzer-Rhomberg

