Wiederholungen beim Üben haben bei Kindern meist keinen guten „Ruf“. Kinder wollen gerne Abwechslung und finden das Wiederholen einer Tätigkeit oder eines spieltechnischen oder musikalischen Ablaufes oft langweilig. Und – im Gegensatz zu früher – artikulieren sie das auch. Trotzdem ist es so, dass beim Erlernen eines Instruments Wiederholungen notwendig sind, um Fortschritte zu machen. Wiederholung ist aber nicht gleich Wiederholung.
Wiederholungen bei Anfängern
Bei Anfängern geht es erst einmal um den Aufbau einer elementaren Spieltechnik. Es geht um das Erlernen der spieltechnischen Bewegungsabläufe, in enge Beziehung gesetzt zum Klang, der dabei herauskommt. Beim Erlernen neuer Bewegungsabläufe werden neue „Spuren“ im Gehirn gebildet. Diese können sich durch gezielte Wiederholungen vom schmalen „Trampelpfad“ zu einer regelrechten „Autobahn“ entwickeln. Um zu verhindern, dass die Kinder die Wiederholungen gedankenlos herunterspulen wie ein Roboter, sollten wir ihnen die notwendigen Wiederholungen „schmackhaft“ machen. Sie sollen sich z.B. bei jeder Wiederholung auf einen anderen Aspekt konzentrieren. Beim Üben zu Hause könnte jede Wiederholung in einem anderen Raum gespielt werden, um dann zu berichten, wie es wo klingt. Sie könnten jede Wiederholung in einem anderen Tempo oder in einer anderen Lautstärke spielen. Ihnen – als erfahrene Instrumental-Pädagoginnen und -Pädagogen – fallen da sicher allerlei kurzweilige Varianten ein, die Sie gerne mit der Leserschaft hier im Kommentar teilen dürfen!
Wiederholungen beim Erlernen von Repertoire
Auch beim Einstudieren von neuem Repertoire kommen wir um Wiederholungen nicht herum, besonders bei sogenannten „schwierigen“ Stellen. Auch hier geht es darum, die Wiederholungen sinnvoll zu gestalten. Das Wichtigste ist: Wenn die Stelle das erste Mal „funktioniert“, dann beginnen erst die Wiederholungen. Viele Schüler hören aber genau da auf, wenn sie das erste Mal halbwegs „über die Stelle drüber kommen“. Auch hier gilt es, mit voller Aufmerksamkeit die spieltechnischen und musikalischen Abläufe zu wiederholen und zu variieren, und sie anschließend schrittweise in den musikalischen Kontext zu integrieren.
Konzentration und Pausen
Wiederholungen verlangen nach Konzentration. Gedankenlose Wiederholungen sollten sofort abgebrochen werden, denn sie verbessern das Spiel in keiner Weise. Wenn die Konzentration nachlässt, ist eine Pause angesagt. Die Pause ist für das Gehirn notwendig, um die Prozesse zu verarbeiten. Vor allem forcierte Wiederholungen können kontraproduktiv sein. Wir müssen dem Gehirn auch die Zeit geben, den neuen Input zu speichern.
Fazit
Wiederholungen sind ein sehr effektives Übe-Tool, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Sie sollten immer mit voller Konzentration ausgeführt werden, und danach bekommt das Gehirn eine kleine Pause, um das Geübte zu verarbeiten und zu speichern. Wenn wir es schaffen, den Kindern eine sinnvolle Art des Wiederholens zu vermitteln, werden sie sich zu guten „Übern“ entwickeln, und – gute „Über“ werden gute Musiker!
Wie machen Sie Ihren Schülern die Wiederholungen „schmackhaft“? Wie machen Sie sich selbst beim Üben die Wiederholungen „schmackhaft“? Über einen Austausch hier in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen!
Herzlichst,
Ihre Andrea Holzer-Rhomberg

