↓
 
Logo

Passion4StringTeaching

Blog für Streicherpädagogen

  • Impressum
  • Datenschutz
  • Kontakt
Violin-Unterricht
  • Home
  • Über mich
  • Blog
  • News
  • Fiedel-Max
  • Downloads
  • Unterricht

Artikelnavigation

← Ältere Beiträge
Neuere Beiträge →

Instrumentales Üben und Gehirnforschung

Passion4StringTeaching Veröffentlicht am 3. Mai 2020 von Andrea Holzer-Rhomberg3. Mai 2020
Instrumentales Üben und Gehirnforschung

Es ist doch immer wieder spannend, was die Gehirnforschung an neuen Erkenntnissen über Lernprozesse hervorbringt. Erkenntnisse, die möglicherweise unsere herkömmlichen Übe-Gewohnheiten am Instrument komplett über den Haufen werfen, oder sie uns zumindest überdenken lassen! 

In diesem Zusammenhang bin ich kürzlich über einen Artikel „gestolpert“, der von der amerikanischen Bratschistin Molly Gebrian im Journal of the American Viola Society veröffentlicht worden ist. Molly Gebrian ist nicht nur eine bekannte Interpretin zeitgenössischer Musik, sie hat auch mit führenden Wissenschaftlern aus Gehirnforschung zusammengearbeitet.

Was ist die beste Übemethode für einen verlässlichen Bühnenauftritt?

Dieser Frage geht Molly Gebrian in ihrem Artikel nach. Die meisten von uns sind mit einer Art des Übens aufgewachsen, die man Blocked Practice – also „geblocktes“ Üben – nennt: Man übt eine ausgewählte Passage, indem man sie in perfekter Abfolge eine gewisse Anzahl mal wiederholt. Dann erst geht man zur nächsten Passage weiter und übt diese auf dieselbe Weise. Diese Art zu üben ist z. B. sehr gut, um neue Bewegungsabläufe im Bewegungsgedächtnis zu verankern, oder um neue Stücke zu lernen, keine Frage. Führt uns diese Art des Übens aber auch zu einem gelungenen Bühnenauftritt?  

Random Practice - "zufälliges" Üben

Bei einem Auftritt haben wir nicht die Möglichkeit, eine „schwierige“ Passage drei Mal zu spielen, bis sie dann wirklich zu unserer Zufriedenheit gelingt! Beim Auftritt muss sie aber beim ersten Mal „sitzen“. Wir haben auf der Bühne nur diese eine Chance. Deshalb müssen wir auch lernen, die Dinge gleich beim ersten Mal „perfekt“ hinzukriegen. Doch wie kann man so etwas üben?

Hier kommt Random Practice – das „zufällige Üben“ – ins Spiel. Man übt hier also nicht mehr die eine Passage z. B. 20 x, bis sie „perfekt“ klingt, und geht dann erst zur nächsten weiter, sondern „würfelt“ sozusagen die verschiedenen Passagen durcheinander. Das hat zur Folge, dass das Gehirn sich immer sofort auf die „neue“ Passage einstellen muss und dadurch zu hundert Prozent aufmerksam bleibt. Diese Vorgehensweise kommt der Arbeitsweise des Gehirns während eines Auftritts wesentlich näher. Man muss gewissermaßen auf alles gefasst sein und bestmöglich darauf reagieren. Man lernt, sich ganz genau auf das Jetzt und die jetzige Aufgabe zu fokussieren. Im Sport haben unzählige Studien bewiesen, dass dieses „zufällige“ Üben im Endeffekt wesentlich bessere Ergebnisse bringt, als das „geblockte“ Üben, obwohl sowohl die Gesamt-Übezeit als auch die Anzahl der Wiederholungen bei beiden Übearten gleich war.

Was können wir für uns und unsere Schüler daraus lernen?

Wir könnten andere als unsere gewohnten Übe-Routinen ausprobieren und sie in unser Üben integrieren. Selbstverständlich muss zuerst der Notentext eines Stückes erlernt werden, und die Bewegungsabläufe müssen in der richtigen Reihenfolge im Gedächtnis verankert werden. Dann aber, in einem nächsten Schritt, könnten wir uns einmal auf das Serial Practice – das „serielle“ Üben – einlassen, das Molly Gebrian wie folgt beschreibt: Man wählt ungefähr vier bis sieben anspruchsvolle Passagen aus dem bereits geübten Stück aus. Jede Stelle bekommt einen Post-it-Sticker. Nun spielt man die erste Passage. Nur ein einziges Mal. Ist sie gut, schreibt man einen Strich auf den Sticker, ist sie noch nicht gut, schreibt man keinen. Nun macht man dasselbe mit der zweiten Passage, mit der dritten usw. Wenn man durch ist, beginnt man wieder von vorne. Steht bereits ein Strich bei einer Passage und man spielt sie in der neuen Runde nicht gut, radiert man den Strich wieder weg und muss von vorne mit den Strichen beginnen. So arbeitet man sich durch alle „schwierigen“ Stellen durch, bis alle mindestens fünf Striche haben.

Im nächsten Schritt kommt nun das „zufällige“ Üben dran. Man stellt einen Timer ein, sodass er alle fünf Minuten klingelt. Nun beginnt man zu üben. Tonleitern, Etüden, ein neues Stück, alles, was so zur täglichen Übe-Routine gehört. Klingelt der Timer, unterbricht man sofort und spielt die Passage 1 aus dem vorigen Schritt. Nur ein einziges Mal. Wie im Konzert. Auch wenn die Passage nicht zur Zufriedenheit gelungen ist, übt man sie jetzt nicht, sondern setzt die vorige Übe-Routine fort. Wenn der Timer das nächste Mal klingelt, unterbricht man und spielt die Passage 2 aus dem vorigen Schritt. So kann man klar erkennen, welche Passagen auf Anhieb gut gespielt werden können und welche noch Auseinandersetzung benötigen. 

Aufmerksames Üben ist ein immer besseres Kennenlernen der Funktionsweise unseres Gehirns

Unser Gehirn ist ein kleines Wunderwerk, von dem wir noch relativ wenig wissen. Aufmerksames Üben und das genaue Beobachten der erzielten Ergebnisse bringt uns den Lernmechanismen unseres Gehirns immer näher. Das ist eine spannende und sehr lohnende Aufgabe!

Ich hoffe, ich konnte Sie mit diesem Beitrag neugierig auf den Artikel von Molly Gebrian machen. Den ganzen Artikel zum Nachlesen finden Sie hier. 

Herzlichst,

Ihre Andrea Holzer-Rhomberg

Veröffentlicht unter Konzert,Üben,Unterricht | 1 Kommentar

Artikelnavigation

← Ältere Beiträge
Neuere Beiträge →

Neueste Beiträge

  • Reflexion nach einem Wettbewerb
  • Improvisation im Unterricht
  • Selbstvertrauen stärken im Unterricht
  • Start in ein neues Musikschuljahr
  • Hurra, die Fiedel-Max-App ist da!

Archive

  • April 2024
  • Oktober 2023
  • September 2023
  • Juni 2023
  • Mai 2023
  • April 2023
  • März 2023
  • Februar 2023
  • Januar 2023
  • Dezember 2022
  • November 2022
  • Oktober 2022
  • September 2022
  • Juni 2022
  • Mai 2022
  • April 2022
  • März 2022
  • Februar 2022
  • Januar 2022
  • Dezember 2021
  • Juni 2021
  • Mai 2021
  • April 2021
  • März 2021
  • Februar 2021
  • Januar 2021
  • Dezember 2020
  • November 2020
  • Oktober 2020
  • Juni 2020
  • Mai 2020
  • April 2020
  • März 2020
  • Februar 2020
  • Januar 2020
  • Dezember 2019
  • November 2019
  • Oktober 2019
  • September 2019
  • Juni 2019
  • Mai 2019
  • April 2019
  • März 2019
  • Februar 2019
  • Januar 2019
  • Dezember 2018
  • November 2018
  • Oktober 2018
  • September 2018
  • Juni 2018
  • Mai 2018
  • April 2018
  • März 2018
  • Februar 2018
  • Januar 2018
  • Dezember 2017
  • November 2017
  • Oktober 2017
  • September 2017
  • Juni 2017
  • Mai 2017
  • April 2017
  • März 2017
  • Februar 2017
  • Januar 2017
  • Dezember 2016
  • November 2016
  • Oktober 2016
  • September 2016
  • August 2016

Kategorien

  • Einzelbetreuung
  • Eltern
  • Gruppenunterricht
  • Gruppenunterricht
  • Kommunikation
  • Konzert
  • Lagenwechsel
  • Lehrer
  • Leistungsbeurteilung
  • Lob
  • Motivation
  • Musikalische Lernspiele
  • Planning
  • Planung
  • Practicing
  • Schüler
  • Selbstorganisation
  • Spieltechnik
  • Talent
  • Teaching
  • Teamarbeit
  • Üben
  • Uncategorized
  • Unkategorisiert
  • Unterricht
  • Weihnachten
  • Wettbewerb

Schlagwörter

Auftritt Eltern Geige Geige ueben Gemeinsam musizieren Kommunikation Lagenspiel Lagenwechsel Motivation Musiktheorie Musizieren Planning Planning concerts Planning lessons Planung Rhythmus Semesterplanung Spieltechnik Stundeneinteilung Stundenplan Talent Tonhöhenvorstellung Unterricht Unterrichtsplanung Vorbereitung Vorbild Weihnachten üben
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Bildernachweis
© 2016-2025 by Andrea Holzer-Rhomberg Datenschutz
↑