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Talent haben oder Talent entwickeln? — 5 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für diesen Beitrag. Für uns als Lehrer finde ich am wichtigsten, welchen Glaubenssatz wir selber haben. Meiner ist: Wenn ein Kind Geige lernen möchte, gesunde Arme und Hände hat, kann es das auch tun. Die Voraussetzungen was Bewegungs-Geschicklichkeit, Gehör usw. angeht sind natürlich sehr verschieden. All das behutsam im Tempo des Kindes zu entwickeln ist ja unser Job. Ich selbst unterrichte mittlerweile seit mehreren Jahrzehnten und hatte immer mal wieder Phasen, in denen ich mit meinem Unterricht nicht ganz zufrieden war. Dann bin ich losgegangen und habe mir die „besten“ Pädagogen ausgesucht, um bei ihnen zu hospitieren und habe auch selbst mal die eine oder andere Unterrichtsstunde bei Profis für spezielle Themen genommen.
    Ein weiterer Leitsatz von mir ist nämlich: Nicht das Kind hat Grenzen, sondern ich als Lehrerin muss mir was Neues einfallen lassen, wenn das, was ich möchte, nicht klappt.
    Bei meinen Schülervorspielen achte ich immer darauf, dass jedes Kind etwas spielt, was es gut kann, sodass jeder Beitrag schön anzuhören ist. So fühlen sich alle Vortragenden gut und alle Eltern auch.

  2. Mit der 2. Einstellungen kommt man im Leben natürlich deutlich weiter.

    Ich würde jetzt aber nicht zwischen „Talent haben“ und „Talent entwickeln“ unterscheiden, sondern z.B. Talent und Wille. Ein guter Freund von mir hat in der Schule im Musikunterricht große Probleme gehabt – er sang beispielsweise immer extrem schräg und traf nie wirklich die Töne. Wäre es da möglich Talent zu entwickeln? Er hat meiner Meinung nach auf dem Gebiet sehr wenig Talent. Auch mit Willenskraft stelle ich es mir für in sehr schwer vor, Fortschritte zu machen. Oder was denken Sie? Für mich ist das natürlich ein Talent-Extrembeispiel. Normal-talentierte Personen können durch Willenskraft, Ausdauer/Fleiß,… aber sicher Fähigkeiten entwickeln, die sehr talentierte, aber faule nie erreichen.

    • Lieber Christian,
      vielen Dank für Ihren Kommentar! Ja, es gibt die unterschiedlichsten Ausprägungen von Talent. Manche Kinder sind motorisch sehr geschickt, andere wiederum haben ein gutes Gehör usw. Ich habe in meiner langjährigen Unterrichtspraxis die Erfahrung gemacht, dass all dies – zumindest bis zu einem gewissen Grad – trainierbar ist. Ein Kind, das „schräg“ singt, bzw. die Töne nicht trifft, hat entweder noch keine klare Vorstellung von den Tonhöhen entwickelt, oder die Stimme ist so „untrainiert“, dass das Kind die innere Vorstellung der Tonhöhe nicht umsetzen kann. Beides kann vorkommen, wenn man mit Kindern nur selten oder gar nie singt. Sowohl Gehörbildung als auch Stimmbildung können in so einem Fall Wunder wirken! Natürlich dauert es unter Umständen länger, zu einem Erfolgserlebnis zu kommen. Hier ist viel Geduld gefragt. Wenn das Kind aber genau das lernen möchte und auch übebereit ist, sehe ich kein Problem. Auch kleine Fortschritte sind Fortschritte. Und wenn der Ball erst einmal ins Rollen gekommen ist, … man weiß nie! Der Mensch ist ein so unglaublich lernfähiges Wesen, das seine Grenzen immer weiter hinausschieben kann …

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